von: Urs Heinz Aerni
26. Mai 2023

Vertrauen wird immer wichtiger

Wem vertrauen wir? Der Ärztin, dem Virologen, der Gemeindepräsidentin, dem Lokführer, der Pilotin, dem Koch? Einem mit immens vielen Daten gefütterten Rechner? Und wie können Sie wissen, liebe Leserin und lieber Leser, dass diese Zeilen wirklich von mir stammen? Da hätte ich einen Tipp.

«Danke, dass Sie bei mir zahlen.» Das sagte mir eine Frau an der Kasse in einer Filiale einer Lebensmittelkette. Die Selbstbezahlautomaten gehören mittlerweile nicht nur zum Alltag, sondern sie werden vor allem von jungen Kundinnen und Kunden mit grosser Hingabe genutzt. Vor Jahren besuchte ich eine Diskussionsveranstaltung über die Einführung von Selbstbezahlkassen in Warenhäusern. Dabei waren Unternehmen aus dem In- und Ausland vertreten. Aus Österreich wurde berichtet, dass die Kundschaft noch bedient werden möchte und sich weigert, vor Maschinen zu stehen. Nun, irgendwie habe ich mehr Vertrauen zu Menschen als zu Computern und ein kurzes «Grüezi» und «einen schönen Tag noch» gehört doch auch zum Einkauf. Oder?

Wir wissen es, die Automatisierung und die digitale Fremdsteuerung überrollen uns, sie sind nicht mehr zu bremsen. Die Computer beginnen ja auch für uns zu recherchieren und zu schreiben. Wie intelligent ist die «künstliche Intelligenz»? Das wollte ich mit der Frage «Wer bin ich?» an ChatGPT wissen. Viel kam nicht, aber ich sei mit Elke Heidenreich verheiratet. Ich staunte, denn ich habe mit ihr ein Buch gemacht, aber kein Kind. Nun ja, ich stellte noch andere Fragen, wie zum Beispiel: «Warum soll man Vögel schützen?»

Angesichts der technischen Entwicklung bekommt das Wort «Vertrauen» eine immer gewichtigere Bedeutung. Wem vertrauen wir? Der Ärztin, dem Virologen, der Gemeindepräsidentin, dem Lokführer, der Pilotin, dem Koch? Einem mit immens vielen Daten gefütterten Rechner? Und wie können Sie wissen, liebe Leserin und lieber Leser, dass diese Zeilen wirklich von mir stammen? Da hätte ich einen Tipp: Am 12. Juli 2023 darf ich auf Einladung der Gemeindebibliothek Lenzerheide für das Publikum einen Vogelspaziergang geben. Da können wir uns die Hände schütteln und ich verspreche Ihnen, dass ich derselbe bin, der diese Zeilen schreibt.

Als ich nach dem Bezahlen an der eingangs erwähnten Kasse die Quittung durchging, sah ich, dass die gute Frau mir eine Zitrone zu viel verrechnete.

Urs Heinz Aerni

PS: Wenn Sie am 12. Juli in Lenzerheide nicht dabei sein können, gäbe es noch alternative Termine, die Sie hier per Mausklick finden.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Zeitung Bündner Woche