von: Heiko Schwarzburger
15. März 2013
Kommentar

Verantwortung übernehmen

Geld anlegen ist mehr als reine Renditemaximierung. Es ist eine Verantwortung. Es gilt, den Widerstand bei den Banken zu brechen und die Wissensvermittlung über Finanzen zu verbessern.
Trieb am Baum

© Velka Botička

Aktien und Wertpapiere sind besser als ihr Ruf. Es sind gute Renditen drin. Alles andere muss hinten anstehen. Dieser konservativen Finanzlogik wollen immer mehr Anleger nicht mehr folgen. „Sie wollen ihre Investitionen so einsetzen, dass sie eine maximale Wirkung auf die gesamte Gesellschaft haben“, weiß Werner Landwehr, Leiter der Berliner Filiale der GLS-Bank. „Inzwischen fängt eine Mehrheit der Anleger an, darüber nachzudenken, dass Investition mehr ist als reine Maximierung von Rendite und Gewinn.“
Das Problem ist: die meisten Anleger werden nicht selbst tätig. Sie überlassen das den Beratern bei den Banken. „Die konnten mit dem angelegten Geld bisher meist machen, was sie wollten“, sagt Birte Pampel, Vorsitzende des Vereins Geld mit Sinn. „Dieses Verhältnis haben die konventionellen Banken zementiert. Aber immer mehr Anleger wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert.“ Sie investieren lieber in Projekte, die ihnen wichtig sind.

Finanzbildung neu denken

Bei den konventionellen Bankberatern stoßen sie damit auf Ablehnung. Anders ist das bei den grünen Banken. Die GLS-Bank zum Beispiel finanziert ausschließlich Projekte, die die Lebensrealität der Menschen direkt berühren. Themen sind Energie, Wohnen und Ernährung. Anders als in Frankreich, wo inzwischen 30 Prozent aller Geldanlagen einen öko-sozialen Hintergrund haben, fristet das Segment in Deutschland mit einem Anteil von gerade einem Prozent ein Nischendasein. „Unser Ziel ist es, diesen Anteil bis 2030 auf 40 Prozent zu erhöhen“, verrät Pampel. Dazu müsse man Finanzbildung neu denken. Geld mit Sinn hat das Ziel, die Menschen für Geld zu sensibilisieren. „Bisher war die Bildung über Finanzen auf Schulen beschränkt“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Dort haben einige Unternehmen sporadisch Angebote gemacht. Aber das ist gefährlich. Da geht es hauptsächlich um Betriebswirtschaft. Umwelt und soziale Themen spielen keine Rolle.“

Angebote existieren

Die Angebote sind da. Sie reichen von Minikrediten für landwirtschaftliche Kooperativen oder kleine Unternehmen in Afrika, Asien und Lateinamerika bis zu Engagements in Berlin. „Wir wollen diese Länder nicht mehr nur als Rohstofflieferanten sehen, sondern Strukturen stärken, dass diese Rohstoffe auch vor Ort verarbeitet werden“, erklärt Matthias Lehnert, Geschäftsführer von Oikocredit. KlimaGut Immobilien wiederum widmet sich der behutsamen ökologischen Sanierung von Häusern in Berlin. Das Ziel dabei ist nicht nur, den Energieverbrauch der Gebäude zu minimieren und auf erneuerbare Energien umzustellen, sondern auch das Mietniveau nicht zu hoch zu schrauben. „Wir versuchen, die Sanierung mit den Menschen, die in den Häusern leben, zusammen durchzuführen“, sagt Fabian Tacke, Vorstand bei KlimaGut. „Dabei orientieren wir uns bei Neuvermietungen am aktuellen Mietspiegel.“ Dass das nicht die Regel ist, weiß inzwischen jeder in Berlin.
Jüngst hat Geld mit Sinn eine Petition auf den Weg gebracht, um die Rahmenbedingungen für öko-soziale Geldanlagen zu verbessern. Kapitalströme sollen schneller und leichter in die zukunftsfähige Wirtschaft fließen können und dort verantwortungsbewusste und am Gemeinwohl orientierte Unternehmen fördern. Bisher wird der wirtschaftliche Erfolg immer noch allein am finanziellen Profit gemessen. Das reicht nicht aus. Die Messkriterien müssen um die Kosten für Menschen und Umwelt erweitert werden, die mit dem finanziellen Erfolg gleichgesetzt werden müssen. Die Petition wurde inzwischen vom Bundestag angenommen.


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