von: Rupert Bucher
1. November 2017
Kommentar

Sexskandal um Harvey Weinstein

Der US-Film-Produzent Harvey Weinstein wird vom Verband ausgeschlossen. Seine sexuellen Übergriffe wurden zu seinem Verhängnis. Der Künstler und Autor Rupert Bucher äußert sich über diesen Fall.

Die Macht stand immer schon im Zentrum des autoritären Patriarchats. Ihr war alles untergeordnet: die Liebe und Erotik sowie das wirtschaftliche, politische, militärische und religiöse Handeln. Kein Bereich konnte sich dem entziehen, nicht einmal der verborgene Innenraum des Menschen. Auch Hollywood ist überall und nun sprechen die deutschen Schauspielerinnen über die sexuell-übergriffigen Männer in Film und Theater.

Jetzt, da der Schutz göttlicher Autorität ausbleibt, werden die Untaten des selbstherrlichen Patriarchen gnadenlos ans Licht gezerrt. Da gibt es kein Bedauern! Auch wird die jetzige Welle der Aufdeckung seines sexuellen Machtmissbrauchs nicht die letzte sein.

Die Verabschiedung des autoritären Patriarchats ist in den Familien und Partnerschaften seit mehreren Jahrzehnten voll im Gange. Der Kern der Gesellschaft, die Familie befindet sich allerorts in Auflösung. Dort erkennen wir das Wirken eines bisher versteckten, autoritären Matriarchats, das sich schon immer im Zentrum des Patriarchats verbarg, und dort als Fundament des autoritären Weltbildes fungierte. Die autoritäre Erziehung führte bei den Jungs wie den Mädchen zu einer Sozialisation mit identischem Ergebnis: der autoritären Persönlichkeit. Diese entfaltet sich entweder als Opfer oder als Täter. Die Annahme, dass nur der Mann als Täter autoritär sei, gehört zu den großen und fatalen Irrtümern auch der heutigen Zeit. Die autoritäre Frau und Mutter muss erst entdeckt, aus ihrer Tarnung hervorgeholt werden, sie ist das größte gesellschaftliche Tabu unserer Zeit.

Die Entmachtung und Verabschiedung des autoritären Weltbildes gelingt demnach nur, wenn auch das versteckte autoritäre Matriarchat im familiären Zentrum der Gesellschaft benannt, entmachtet und verabschiedet wird. Gelingt dies nicht, wird das autoritäre Matriarchat das entstandene Machtvakuum füllen und die Nachfolge des Patriarchats antreten. Dass dieser Prozess in den Familien bereits in Gang ist, kann dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen.

Der Aufdeckung selbstherrlicher, männlicher Gewalt, nichts anderes beinhaltet die Hollywood-Weinstein-Affäre, muss die Aufdeckung weiblich-mütterlicher Gewalt in den Familien folgen.

Rupert Bucher

Rupert Bucher lebt und arbeitet als Autor und Künstler in Bayern. Seine Bücher sind im Bucher Verlag erschienen und im Handel erhältlich.

Gastkommentare sind freie Meinungsäußerungen und müssen sich nicht mit der Haltung der Redaktion decken.


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