von: Regina Balmer, Haupt Verlag Bern
3. Juli 2018

Replik des Haupt Verlags auf den Gastbeitrag von Herrn Matthias Baltisberger

Dr. Matthias Baltisberger hat hier das Buch "Grundlagen der Feldbotanik" von Rita Lüder besprochen, das im Haupt Verlag erschienen ist. Seine Kritik löste eine Debatte aus. Regine Balmer von der Programmleitung beim Haupt Verlag veröffentlicht hier nun eine Replik.

© Haupt Verlag

Herr Baltisberger kritisiert die eben in unserem Verlag erschienene „Grundlagen der Feldbotanik“ von Rita Lüder und schließt seine Beurteilung mit dem Fazit ab: „Das Buch ist (…) absolut unbrauchbar für den beabsichtigten Zweck!“ Zudem stellt er die Kompetenz des Haupt Verlags in Frage, der ein „so mangelhaftes Buch“ herausgegeben hat.

Diese massive Kritik will der Haupt Verlag – auch für unsere Autorin Rita Lüder ‒ nicht unwidersprochen stehen lassen, zumal die angebrachten Kritikpunkte ein derart harsches Urteil nicht rechtfertigen:

Kritikpunkt 1: Das Buch enthalte zu viele Informationen, die nicht prüfungsrelevant sind (Bsp. Seite 52 :“nur der kleinste ist prüfungsrelevant“, S. 492/493 ohne prüfungsrelevante Arten; S. 414, 6 Bilder mit Euphorbia-Arten, von denen keine prüfungsrelevant sei.

> Aus zwei Gründen sind in dem Buch Inhalte enthalten, die nicht den schweizerischen Zertifikatsarten entsprechen: Erstens sind auch deutsche Prüfungsmodule mitbehandelt (darunter gibt es auch Arten, die in der Schweiz nicht prüfungsrelevant sind – beispielsweise sind von den erwähnten Euphorbia-Bilder auf S. 414 zwei Arten prüfungsrelevant, allerdings ist es eine davon nur in Deutschland), zweitens hat die Autorin bewusst weitere Arten dazu genommen, um den Blick über den Tellerrand zu erlauben.
Grundsätzlich können wir den Vorwurf, das Buch enthalte zu viele Informationen, nicht ganz nachvollziehen, denn die Prüfungsinhalte sind – um die Inhalte den korrekten Prüfungsstufen rasch zuordnen zu können – mit Farbcodes recht prominent gekennzeichnet. Wer für eine Prüfung lernen will, muss also sowieso schauen, welche Inhalte für die angestrebte Prüfung zu lernen sind.

Kritikpunkt 2: Irreführende Information zur Familie Ranunculaceae/ Perigon: „Bei einigen Gattungen wie Küchenschelle und Windröschen…“ . Herr Baltisberger weist zu Recht darauf hin, dass es in der Familie noch weitere Gattungen mit Perigon gibt.
> Die Formulierung „Bei einigen Gattungen wie..“ drückt zwar aus, dass es noch andere Gattungen gibt – und wie Herr Baltisberger selbst schreibt, wird dieses Merkmal als wichtiges Familien-Merkmal in der zusammenfassenden Tabelle auch aufgezählt. Vielleicht hätte die Autorin schreiben sollen „Bei vielen Gattungen“ statt „Bei einigen Gattungen“, das wäre wohl besser gewesen. Aber der Vorwurf scheint uns in diesem Fall etwas gar kleinlich.
Tatsache ist jedoch, dass in der Blütenformel ein Fehler steht, den wir  natürlich bedauern und in der nächsten Auflage korrigieren.

Kritikpunkt 3: Wissenschaftliche Namen / deutsche Namen, die wissenschaftlichen Namen werden hinter nach den deutschen Namen aufgeführt:
>  Tatsächlich ist uns bewusst, dass in der Schweiz nur mit den wissenschaftlichen Namen gearbeitet wird. Die deutsche Autorin jedoch hat einen anderen Erfahrungshintergrund und darauf bestanden, dass die deutschen Namen prominent enthalten sind, denn in Deutschland werden diese Namen stark verwendet. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, beide Namen aufzuführen. Die lateinischen Namen fehlen nur an einigen Stellen aus Platzgründen (Bsp. Übersichten der Blattformen, lange Bildunterschriften).

Kritikpunkt 4: Bildtabellen mit Verwechslungsmöglichkeiten, unbrauchbare Darstellung, Auswahl, Aussagekraft der Bilder:
> Die Tabellen sind tatsächlich nicht alle gleich aussagekräftig, was vor allem am Platzangebot liegt. Für seitengroße Tabellen der Verwechslungsmöglichkeiten fehlte der Platz, darum sind die Bilder nur klein und die Ausschnitte manchmal nicht ganz befriedigend. Bei einigen Tabellen funktioniert es gut, bei anderen weniger.

Kritikpunkt 5: Falscher Artname S. 495 > werden wir prüfen

Kritikpunkt 6, Fehler in der Kopfzeile: Seite 86, Bedecktsamer/Angiospermae – Kopfzeile „Familie“
> Das ist tatsächlich ein Fehler, das müsste heißen „Großgruppe“. Im Text und hinten in der systematischen Übersicht ist es aber korrekt.

Kritikpunkt 7: Allgemeine Kapitel seien zu kurz, zu vereinfacht und zu wenig auf die Schweiz fokussiert.
> Es war gar nie das Ziel des Buches, den gesamten Prüfungsstoff der Schweizer Zertifikatsprüfung 600 vollumfänglich abzudecken, denn dazu hätten diese einführenden Kapitel tatsächlich massiv ausgebaut werden müssen. Wir haben uns bewusst auf das Hintergrundwissen zu den Familien und den Gattungen konzentriert.

Ziel des Buches war es, eine Lücke in der botanischen Literatur zu schließen: In der Flut der Floren, die es bereits gibt, fehlte ein Buch, welches auf Familien und Gattungen fokussierte. Mit Rita Lüder hat der Haupt Verlag eine kompetente, erfahrene und erfolgreiche Autorin gefunden, die sehr viel Wissen und Material in diese 864 Seiten gepackt hat. Dass eine erste Auflage eines solchen Werkes mit dieser Informationsdichte fehlerfrei sein würde, haben wir nicht erwartet. Auch die erste Auflage der Flora Helvetica und die erste Auflage der Flora vegetativa (beides erfolgreiche Floren in unserem Programm) waren nicht fehlerfrei.
Herr Baltisberger schreibt auf seiner Homepage, wo er die Kritik an der „Feldbotanik“ auch bereits veröffentlicht hat, zu einem anderen großen neuen Werk, dem „Exkursionsführer“: „Es ist nicht ohne Fehler, was aber kein Vorwurf ist, denn das gilt grundsätzlich für jedes grosse Werk.“ Er schließt daraus folgende Empfehlung: „ Fehler und Mängel sammeln und melden.“ Dem können wir uns absolut anschließen. Wir waren immer dankbar für Fehlermeldungen und faire, konstruktive Inputs, damit wir unsere Werke verbessern können. Sowohl die Autoren wie auch der Verlag investieren sehr viel in solche neuen Werke – wir sehen diese großen Werke, auch die „Grundlagen der Feldbotanik“, als langfristige Projekte an, die mehrere Auflagen erfahren und im Laufe der Zeit ständig verbessert werden.

Regine Balmer, Programmleitung Haupt Verlag, Bern, 2. Juli 2017