von: Urs Heinz Aerni
11. Januar 2019

„… kritisieren, aber bitte nicht als Toilettenpapier benutzen“

Wir fragen Schreiben nach ihrem Verhältnis zum Schreiben, zur Sprache und zu Büchern. Hier mit Jill Grey.

© Jill Grey

 

Urs Heinz Aerni: Die Kraft der Sprache ermöglicht…

Jill Grey: … es mir, Frieden zu finden, mein Innerstes – einerlei wie ich mich fühle – nach Außen zu kehren, auszudrücken und dann loszulassen.

Aerni: Mein Lieblingsschreibort ist: 

Grey: Mein Büro, neben mir meine Hunde.

Aerni: Der Lesende darf meine Bücher…

Grey: … kritisieren, aber bitte nicht als Toilettenpapier benutzen, die Umwelt würde es ihm nicht danken.

Aerni: Eine Welt ohne Bücher würde…

Grey: … mir Trost– und Fantasielos vorkommen.

Aerni: Die Fähigkeit des Lesens ermöglicht…

Grey: … es mir, mein Wissen aufzustocken, diverenzierte Sichtweisen zu erkunden oder mich in andere Welten zu begeben. Zudem ist es gutes Mittel um den Alltag hinter sich zu lassen und danach ohne Geratter im Kopf einzuschlafen.

Aerni: Die Arbeit mit Sprache und Geschichten bedeutet für mich…

Grey: … Alltagsprobleme und Konflikte zu verarbeiten. Empfindungen auszuagieren, ohne dabei Menschen zu verletzen oder neue Konflikte zu erschaffen. Meinen Kopf zu leeren und die Figuren, die dort Gestalt annehmen, zum Leben zu erwecken. Es ermöglicht mir zudem, Teile von mir – auch dunkle Seiten – auszuleben, die nicht Gesellschaftsfähig sind.

 


 

Jill Grey wurde am 5. November 1966 in Kleinbasel geboren. Mit 14 Jahren stieg sie in die legalen Drogen ein, Alkohol und Medikamente. Zwei Jahre später hing sie an der Nadel. Es  folgten zwanzig Jahre der Sucht. 1998 absolvierte die Autorin ein  dreijähriges Studium der kontemplativen Kommunikationstherapie  von Charles Berner.  Heute beschränkt sich Greys Sucht auf den täglichen Kaffeekonsum.

In den letzten Jahren schrieb Grey sechs Romane und ihre Autobiografie.  Neben dem Schreiben erschafft die sie Tonskulpturen und malt Ölbilder.  Die Skulpturen wurden in vier Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so auch bei der internationalen Kunstausstellung Arte in Binningen 2004.

Jill Grey lebt zurückgezogen in einem abgeschiedenen Tal in der Innerschweiz,  arbeitet vom Frühling bis zum Herbst in der Natur und stellt Salben  und Tinkturen her. Als sie den ersten Teil ihrer Biografie veröffentlichte,  entschied sie sich für dieses Pseudonym – Grey war der Mädchenname ihrer Großmutter.

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