von: Marie Eising
25. Juli 2017
Kommentar

„Ich bin kein klassischer Fotograf“

Interview mit Fotograf Tomaso Baldessarini von Marie Eising
www.baldessarinistudio.com/

© www.baldessarinistudio.com/

Hi Tomaso, aktuell läuft es bei Dir! Als aufstrebender Jungfotograf kennt Dich die Szene. Bereits mit Deiner Portrait-Serie „Anti.Mono.Stereo“ (2013-2015) hast Du große Preise abgeräumt und Dir einen Namen gemacht. Aber erzähl uns doch mal von Deinen Anfängen: Wie bist Du eigentlich zur Fotografie gekommen?

Ich bin kein klassischer Fotograf, der schon mit 9 Jahren eine Kamera in der Hand gehalten hatte. Bei mir ist es so, dass mich das Leben in die richtige Richtung dirigiert hat. Dabei habe ich stets auf mein Herz gehört und wusste, dass es genau das ist, was ich machen wollte. Die Freiheit, zu tun und zu lassen was ich will, mit den Mitteln der Fotografie, ist einfach unglaublich wertvoll für mich.

Nach vielen Höhen und Tiefen in den letzten Jahren hast Du es geschafft. Große Aufträge flattern ins Haus und die intensive Arbeit zahlt sich immer mehr aus. Aber damit nicht genug: Vergangenen Freitag erblickte Dein erstes Buch „28mm EDITION | MANHATTAN“ das Licht der Welt. Das Besondere an diesem Buch: Du hast Dich mit nur einer Kamera und einer 28mm-Linse auf den Weg nach New York City gemacht. 30 Tage über 400 km gestreckt hast Du probiert das Leben einer der größten Metropolen so ehrlich wie möglich einzufangen. Aber lass uns doch einmal hinter die Kulissen schauen: Wie kam es zu diesem Projekt? War das Buch von Beginn an geplant?  

Ich war schon öfters in New York und ich liebe diese Stadt für ihre eigene Art mit den Dingen umzugehen. Die Menschen, die sich entschieden haben in New York zu leben gehen einen krassen Schritt. New York ist voller enthusiastischer kreativer Menschen aus der ganzen Welt. Diese Stadt formt einen, sie weist einen in die eigenen Schranken. Sie ist gnadenlos und hart – und das entfacht eine enorme kreative und schöpferische Kraft in dir. Das Gefühl ist wirklich schwer zu beschreiben, aber ich fühle mich von den New Yorkern verstanden.

Ich wusste, ich investiere viel Geld, wenn ich 4 Wochen nach New York fahre. Genau deshalb war auch klar für mich, dass ich ein Buch aus diesem Projekt machen wollte. Durchaus hat sich der thematische und visuelle Faden erst nach knapp 2 Wochen intensiver Arbeit auf den Straßen von Manhattan herauskristallisiert. Ein sehr bekannter Fotograf, Olaf Heine, sagt mal zu mir: „Werfe dich ins kalte Wasser und los“. Ich habe mich darangehalten und arbeite seither genau so. Ich versuche zu sehen, was mit mir bei so einem Projekt passiert und dies in eine visuelle Novelle zu verfassen. Dies ist für mich der richtige Weg, um so ein Vorhaben zu realisieren.

Es war also eine emotionale Reise. Welcher Moment hat Dich dabei besonders bewegt?

In der Tat war es eine sehr emotionale Reise. Ich habe sehr viel für mich selber gelernt. Man sieht die Dinge nach so einer Reise anders, man weiß sich anders zu hinterfragen. Man überwindet Ängste und fängt an besser zu werden. Das allerwichtigste ist aber der Prozess, der Moment, wenn man realisiert, dass man an der Mission wächst. Es gab viele sehr bewegende Momente, sodass ich das nicht nur auf einen reduzieren kann. Ich war mit Obdachlosen Burger essen und habe mir ihre Lebensgeschichten angehört. Gelernt habe ich die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Das Leben ist etwas Wunderbares!

Hast Du einen Tipp oder eine Empfehlung für junge Fotografie–Talente? 

Nutzt Eure Intuition, um Eure Visionen umzusetzen. Hört auf Euch zu vergleichen und findet Eure eigene visuelle Sprache! Das ist ein langer Prozess der viel Geduld abverlangt. Aber am Ende zahlt es sich aus, wenn ihr nur an Euch glaubt und hart genug arbeitet. Man muss die Fotografie leben, atmen und auch lieben. Fotografie ist eine sehr idealistische Disziplin, in der man sich nur behaupten kann, wenn man Ausdauer, Mut und Willen hat.

Wenn Zeit, Geld und andere Faktoren keinerlei Rolle spielen würden: Wie würde Dein absolutes Traumprojekt aussehen?

Ich habe mir gerade einen Traum erfüllt! Mein erstes eigenes Buch aus eigener Kraft zu realisieren. Aber es wird immer neue und höhere Ziele geben in meiner Laufbahn. Nur wenn Du träumst und eine Vision hast, wird sich der Weg ebnen. Ich schreibe nun schon 2 Jahre an einem Projekt mit dem Namen „The Origin Project“, hier soll ein tiefer gesellschaftlicher Querschnitt des gesellschaftlichen Randes in Amerika entstehen. Das Projekt soll in einem Dokumentarfilm und einem Buch festgehalten werden. Zudem arbeite ich gerade an einem weiteren Teil der „28mm“- Reihe. Ich versuche meine Träume zu leben, auch wenn dieses nicht immer einfach ist. Aber ich lebe für die Kunst der Fotografie und den Fakt, dass ich immer mehr bewegende Geschichten, die nah am Leben sind, erzählen kann.

Kannst Du unseren Lesern verraten, wie Du Deine Bilder veröffentlichst und inwiefern Social Media dabei eine Rolle für Dich spielt?

Auch wenn ich Social Media nicht mag: Es ist für uns Fotografen ein wichtiger Bestandteil unseres alltäglichen Umgangs mit dem Internet. Da ich mein Buch selbst verlegt habe, ist Facebook und auch mein Blog wichtiger Bestandteil für die Verkäufe. Aber es gibt auch deutliche Grenzen über die Aussagekraft von Likes. Likes sind relativ. Sie haben nichts mit der beruflichen Realität zu tun. Viele definieren sich über Likes, aber oft sind diese von keinerlei Relevanz für potentielle Kunden wie Agenturen. Es geht um die Qualität und Kontinuität der eigenen Arbeit. Man muss durchhalten, sich Aufmerksamkeit erkämpfen und dafür ist Social Media gut. Dennoch sollte man nicht vergessen: In der realen Welt wird in anderen Parametern gemessen!

Welche Erfahrungen hast du bisher mit Bilderklau gemacht?

Mit Bildklau habe ich noch keine großen Erfahrungen gehabt. Dagegen aber mit Bloggern, die meine Bilder nehmen und sie wirklich verschandeln, indem sie hässliche iPhone-Filter über meine Bilder legen und dann nicht einmal die CC Angaben beachten. Oder auch schon mit dem ein oder anderen Wettbewerb, dessen Leute meinten, sie können ihren Foto-Contest ungefragt mit meinen Bildern bewerben. Da dies leider in Amerika passiert ist, war meine rechtliche Handhabe gleich null. Ich hoffe für die Zukunft, dass sich das internationale Bildrecht in seinen Strukturen verbessert und transparenter wird.

Was hast du bisher unternommen, um dich vor Bilderklau zu schützen? 

Ich habe schon diverse Plattformen zur Überwachung meiner Bilder benutzt. Diese fielen dann aber negativ auf, vor allem wenn es um die Bedienung und Schnelligkeit geht. Dies ist mit Copytrack anders. Hier stimmt alles von A bis Z! Danke, denn das Beste ist, es kostet keinen einzigen Cent!

Vielen Dank Tomaso!

Hier gehts zu den Bildern…


Tomaso Baldessarini, freischaffender Fotograf

Als freier Fotograf hat Tomaso Baldessarini 2012 seinen Bachelor of Arts mit dem Schwerpunkt Fotografie an der Berliner Technischen Kunsthochschule (BTK) abgeschlossen. Er arbeitet seither als Kunstfotograf, der sich auf große und mittelformatige Portraitmalerei und offene Straßenportraits konzentriert. Seine Portraits zeichnen sich durch ihre Liebe zum Detail, die Beleuchtung und die Postproduktion aus. Seine Produktionsstandards sind von hoher Qualität, um seine kreativ anspruchsvollen Anforderungen zu erfüllen. Tomasos Mission ist es, einzigartige tiefe Geschichten in seinen langfristigen Projekten zu erzählen. Er gewann in den letzten vier Jahren über acht internationale Preise. Darunter den „International Photography Awards“ der Lucie Foundation 2016 und den ersten Platz der PX3 Competition 2016. Aber auch zahlreiche Zeitschriften und Magazine wie aktuell das „LFI Magazine“ haben seine Bilder bereits abgedruckt.

Ein Service von:

COPYTRACK:
Mary Eising, Oranienburger Strasse 4, 10178 Berlin

 


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