von: Goethe Institut
2. Januar 2015

Helden – eine laufende Inventur

Das Goethe-Institut eröffnete eine Ausstellung im Nationalen Kunstmuseum der Ukraine

© Goethe Institut

Goethe-Institut: Die Ukraine befindet sich im Umbruch. Dabei treten auch Fragen der kulturellen Identität zutage. Doch auf welche historischen Figuren bezieht sich die ukrainische Gesellschaft? Aktuell wird daher die Idee des Helden wieder lebhaft diskutiert. Was verstand man aber im frühen Mittelalter als Heldentat, wer wurde zur Zeit des Sozialismus als Held gefeiert? Antworten hält die Kunst bereit. Die Ausstellung „Helden – eine laufende Inventur“ präsentiert nun 180 ausgewählte Werke aus den Beständen des Nationalen Kunstmuseums der Ukraine in Kiew, die sich den Themen „Held“, „Heldentaten“, „Heilige“ und „Märtyrer“ zuordnen lassen. Am 17. Dezember 2014 wurde die Ausstellung eröffnet, die das Goethe-Institut zusammen mit dem Museum und dem Internationalen Museumsrat ICOM initiiert hat.

Zu den ausgestellten Stücken zählen beispielsweise eine große Leninstatue, die in den letzten zwanzig Jahren hinter einer Wand verborgen war, Portraits von Kriegshelden der letzten Jahrhunderte und mythische Heldenfiguren. Außerdem gezeigt werden die „ewigen Helden“, wie Heilige und Märtyrer. Die Ausstellung schließt ab mit zwei zeitgenössischen Gemälden: Dem Portrait eines Offiziers, der sich beim Einsatz nach der Explosion des Kernkraftwerks in Tschernobyl verdient gemacht hat, und der Darstellung einer Kampfszene in einem Fußballspiel – als Frage zum Verhältnis zwischen Heldentum und Starruhm. „Helden – eine laufende Inventur“ reflektiert nicht nur einen aktuellen gesellschaftlichen Diskurs, sondern hinterfragt auch die wechselvolle Geschichte und Sammlungspolitik des Nationalen Kunstmuseums seit seiner Gründung im Jahr 1900.

Der Kurator der Ausstellung Michael Fehr sagte: „Was mich am meisten beeindruckt hat, war die vorbehaltlose Intensität und Genauigkeit, mit der – nach anfänglichem Zögern – das Team des Nationalen Kunstmuseums der Ukraine im Zuge der Vorbereitungen dieser Ausstellung die wechselvolle Geschichte des Hauses untersucht hat. Damit setzt sich das Museum an die Spitze einer Bewegung, die sich der politischen Geschichte des Landes stellt und einen eigenen Weg zwischen den Blöcken zu finden versucht.“

Die Generaldirektorin des Nationalen Kunstmuseums der Ukraine Maria Zadorozhna führte aus: „Der Auftrag von Museen heute, und damit auch unseres Museums in Kiew, beschränkt sich nicht nur darauf, das kulturelle Erbe zu bewahren. Ein Museum muss sich auch mit Bildungsfragen und sozialen Problemen beschäftigen. Es muss die Bedürfnisse der Gesellschaft erfüllen und gesellschaftliche Gruppen zusammenführen, damit diese sich gemeinsam über die herausfordernden Fragen der Geschichte auseinandersetzen. Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Arbeit destruktiven Bestrebungen entgegenwirken und kreative Ideen fördern kann. Dadurch dass ein deutscher Kurator an dem Projekt „Helden – eine laufende Inventur“ mitgewirkt hat, wurde unsere eigene Geschichte auch immer von außen gespiegelt. So konnten wir verschiedene Ansätze ausprobieren, um diese zu erforschen. Wir hoffen, dass dieses Projekt und die Themen, die es aufgreift, die Gesellschaft genauso zusammenschweißen werden, wie sie das Team unseres Museums zusammengeschweißt haben.“

Konzept und Gestaltung der Ausstellung wurden von Michael Fehr, Universität der Künste Berlin, und dem Team des Nationalen Kunstmuseums entwickelt und gemeinsam mit dem Architekten Oleksandr Burlaka aus Kiew realisiert.

Die Ausstellung „Helden – eine laufende Inventur“ entstand im Rahmen des vom Goethe-Institut Tbilissi/Georgien initiierten Regionalprojektes „Zeitmaschine Museum“. Sie wurde organisiert vom Nationalen Kunstmuseum der Ukraine und dem Goethe-Institut Kiew, in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Museumsrat ICOM.

Mehr Informationen:
www.goethe.de/ukraine