von: Martin Kunz
5. September 2017

EROS

"Der Mensch ist das Lebewesen, das es sich leisten kann, nicht rigoroser Realist zu sein." Jürgen Goldstein

© Paramount Pictures


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Eros ist der Gott, dank dem Gaia ohne Begattung aus dem Chaos die Welt gebiert. Eros – der erste Gott und Schöpfer, der Vieldeutige und Rätselhafte. Wie hat er Gaia befruchtet? Er ist einerseits die ursprüngliche Liebe, eher schon älter, weisshaarig, jenseits von scharfer Trennung von Mann und Frau. In der Kunst mag er mit Schmetterlingsflügeln erscheinen und mit einer Ziege; als Gott, der den Bogen spannt; als nacktes Baby neben Venus. Der erste Gott wird verniedlicht, verkindlicht. Zuletzt noch wird er ein Putto, ein Ornament. Was für merkwürdige Verwandlungen!

Bei Platon kommt er zu philosophischer Ehre, nicht zuletzt dank Diotima. Eros ist nun der Verbindende. Er ist das Zwischen, ein Drittes zwischen gut und schlecht, zwischen Sterblichen und Unsterblichen. Er ist Mittler und Vermittler. Dank ihm bleibt das heterogene Ganze in sich verbunden. Er sucht das Schöne, neigt dabei zu göttlichem Wahnsinn. Und all das befähigt ihn zu einer ihm eigenen Erkenntniskraft. Er weist den Weg in seliges Innesein, aber auch in Aufwallungen. Wer von ihm unwillentlich ergriffen wird und mit ihm Umgang hat, ist ein „dämonischer“ Mensch – das Gegenstück zu einem Banausen.

Eros: der Gott des atmosphärischen Zwischenraums. Metaxy. Wer da hinein verwickelt wird, dessen straff und stramm abgezirkelte Erlebniswelt gerät in Verwirrung. Die Landschaft, die für andere bloss Landschaft ist, offenbart dem Ergriffenen den in ihr schlummernden Traum. Die, die sich in dieser Trance aufs sprossende Gras niederlassen, ziehen eine Wolke über sich, eine goldene, und es fallen hernieder glänzende Tröpfchen Tau, wie Homer singt. Die Stadt, die der gestresste Geschäftsmann gar nicht mehr sieht, wird für den erotisierten Flaneur zu einer Wunderkammer. Die monochromen Alltagserwartungen verwandeln sich in exotische Phantasien, denn der verzauberte Stadtstreicher nimmt nicht scharf wahr, was ist, er analysiert nicht, er wird zum Medium des Vagen.

Und geht es schliesslich um eine Frau – um aus der Perspektive des erotisch träumenden heterosexuellen Mannes zu sprechen, so wird aus ihr eine Fee, eine Königin, Aurora, eine Versuchung. Der sonst so verblüffungsresistente Hardliner vergisst sich, wenn er getroffen wird. Wenn er IHR begegnet. Die Poesie der Situation überwältigt ihn, sie führt ihn zu Gefühlen von Selbststeigerung. Andere vermuten eher, er sei verblendet. Er aber liebt seine Blindheit um eines höhern Sehens willen. Der nüchterne Psychologe wird dem so Verwirrten allerdings raten, diese Wahrnehmungen als Projektionen zu durchschauen. Er müsse versuchen, diese Frau so zu sehen, wie sie sei. Der Verzauberte lehnt diese Trivialisierung ab. Sie soll der Stern seiner Seele bleiben. Sie ist Leben, Abgrund und Erholung. Sie ist Musik.

Auch den frühen Theologen missfiel dieser Zauber. Augustinus versuchte scharf zu trennen zwischen der Liebe, die von oben kommt und der, die angeblich von unten komme. Woher aber kommt Eros? Er ist ja das Zwischen, hebt Herkünfte auf, indem er sie verbindet. Dieses Nicht-Unterscheiden scheint gefährlich zu sein. Himmel und Hölle kommen sich unberechenbar nahe. Noch wo es in der Bibel erotisch zugeht, wie im Hohelied, muss umgedeutet werden: Du sollst nicht glauben, diese Lieder seien erotisch und voller Leidenschaft, warnte im 4. Jahrhunder Bischof Cyrill von Jerusalem. Es sind nur Allegorien.

Das Eros-Geschehen hat etwas Mystisches. Seine Farbe ist so gesehen nicht so sehr das Rot, sondern das Blau. Weite und Sehnsucht. Der Kuss, die Berührung, ob imaginiert oder verwirklicht, ist Wiederaufnahme eines Berührtseins von Ewigkeit her. Zwar bin ich „nur“ in persönlichen Wirbel und Taumel hineingerissen, es ist aber zugleich ein grosses Ereignis: Die Sterne beugen sich voll Sympathie über die Erde, schrieb Virginia Woolf. Alles ist kosmisch und ist doch nur Zigarettenqualm. Blauer Dunst. Wirbel, Windhauch, Wispern. Das Sinnliche ist die Essenz des Lebens.

Die Mehrdeutigkeit der blauen Begegnung, in der alles nicht ganz real, höchstens halbnackt sein will, mag in die rote Eindeutigkeit der sexuellen Vereinigung münden – oder auch nicht. Eros lässt das offen. Verschmelzung ist auch in der Imagination möglich. Eros hat nicht mit Gaia geschlafen. Aber sie hat Götter geboren. Als Frauen noch Musen sein durften, aktivierte das unbewusste Hin und Her zwischen Frau und Mann im besten Fall ein kreatives Potential, das beide erfüllt hat. Klärt man das realistisch auf, wird es banal.

Wollen wir uns wieder für das Zwischen öffnen? Für das „It“ – in modifizierter Anlehnung an den Film mit Clara Bow aus dem Jahre 1927. Für eine Kultur des erotischen Geistes? Für das gewisse Etwas zwischen Metaphysik und Körper? Werden wir Expertinnen und Experten der erotischen Andeutung und Vollendung!

Martin Kunz, Künstler und Philosoph – besuchen Sie seine Website