von: Antonin Schmidt, Wien
17. August 2017

Die Wienreise

Antonin Schmidt lernte unser Redakteur im Hotel Schweizerhof Lenzerheide kennen. Der 17-jährgie ist Bernhard-Leser, interessiert sich für Literatur, Gesellschaft und Journalismus und stammt aus Wien. An einem Schreibworkshop mit der Autorin Gabrielle Alioth im Hotel, verfertigte er diesen Text mit dem Titel "Die Wienreise". Gerne veröffentlichen wir ihn hier als Gastbeitrag.

© zvg - Antonin Schmidt


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Zwölf Stunden dauerte die Fahrt vom Bahnhof Milano Centrale, dem Mailänder Hauptbahnhof, bis nach Wien. Zum achtzehnten Geburtstag hatte Salvatore, der aus vornehmen Mailänder Verhältnissen stammt, die Wienreise geschenkt bekommen. Er hatte zeitlebens Unterricht in der Deutschen Sprache gehabt, der deutschsprachigen Literatur insbesondere, beim besten Mailänder Deutschlehrer. Er mochte die Deutsche Literatur, die Österreichische aber liebte er. Er genoss es, Zweig und Handke zu lesen, Zweig las er am liebsten. Salvatore las den Kleist, er las den Göthe, doch die österreichischen Literaten hatten den Italiener immer gänzlich für sich beansprucht und die größte Faszination auf ihn ausgeübt. Seinem Elternhaus entsprechend, wuchs er mit den österreichischen Komponisten, diesen Großmeistern der Musik, auf. Ausgiebig hatte der Italiener die Stadt Wien studiert; ihre Geschichte, ihre Bauten und ihre Struktur. Mit außerordentlichen Erwartungen war er seine Wienreise angetreten. Diese großartige Stadt, so dachte er, diese Hochburg der Kultur und der Architektur.

 

Die Tiroler Berge erstreckten sich rings um den aus dem Fenster blickenden Salvatore. Wenn er nicht gerade den Kafka las, der vor ihm auf dem Tisch seinen temporären Platz gefunden hatte, der ja zwischen seinen Händen und ebendiesem ständig wechselte, versäumte er keine Gelegenheit um die Tiroler, die österreichische Natur ausgiebigst zu betrachten, zu inspizieren. Die Berge machten großen Eindruck auf ihn, zwar hatte er sie schon oft gesehen, doch die Idylle, die Unberührtheit, die Macht und die Bedrohlichkeit der Alpenlandschaft lässt den Betrachter, den sogenannten Bergbewunderer, niemals kalt. Auch jemand der schon sein Leben lang in den Bergen lebt, die Berge dementsprechend in den diversesten Höhen, Ausprägungen und Anordnungen kennt, ist stets ein solcher Bergbewunderer, in dem die Berge und deren Gipfel immer das allergrößte Staunen und die heftigsten Gefühlsausbrüche zur Folge haben.

 

Der Zug kam in Landeck zum Stehen, einige Leute stiegen aus, es stiegen aber doch einige mehr ein. Der Italiener musterte die Einsteigenden von Kopf bis Fuß, seiner neugierigen und aufmerksamen Natur entsprechend. Immer schon sah er Fremden genauestens ins Gesicht, versuchte das Gemüt und damit einhergehend die Geschichten der ihm Unbekannten anhand ihres Aussehens festzumachen. Wenn ihm dieser oberflächliche Prozess auch oft unsinnig, gar infam vorkam, so konnte er doch nicht anders als sich die phantasievollsten Geschichten dieser Leute bis ins kleinste Detail auszumalen, so verlangte es seine menschliche Natur von ihm. Besonders auffällig waren zwei Eingestiegene, die sich in unangenehm laut, schon fast schreiend miteinander unterhielten. Diese, sich laut unterhaltenden Personen, waren Salvatore immer schon zuwider gewesen, ihre aggressive Stimmlage. Er pflegte ein äußerst zurückhaltendes Konversationsklima, das seine Freunde und Lehrer stets schätzen. Salvatores Deutschkenntnisse waren ausreichend um einige, prägnante Gesprächsfetzen der beiden Brüllenden, wie er solch laute Menschen immer zu nennen vermochte, zu verstehen. Ihr Dialekt erschwerte das Begreifen des Dialoges zwar, die Lautstärke kompensierte diesen Umstand jedoch so, dass er Teile des Gesprächs doch erfassen konnte. Es ging um Politik, vor allem aber äusserten sie sich abwertend gegenüber beinahe allem Fremden, das die Brüllenden, so dachte er, kannten. Unter anderem missbrauchten sie Türken, Moslems, Juden und Russen als verbale Zielscheibe für ihr undifferenziertes, primitives, dümmliches Gespräch, Gebrülle eigentlich. Der Italiener kannte diese Art von Menschen; die, deren Gespräch er im Zug mitverfolgte, waren jedoch besonders widerliche, primitive. Den Italiener, dem immer schon Toleranz und Offenheit anderen Kulturen gegenüber gelehrt wurde, machte das Gespräch wütend. Auch er hatte seine Zweifel an anderen Gesellschaftsbildern und an der Religion im Allgemeinen, doch dieses dümmliche Verallgemeinern und Verhetzen der Menschen trieb Salvatore beinahe in den Wahnsinn.

 

Seine Erregung musste sich offenbar durch seine Mimik geäußert haben, denn der ihm Gegenübersitzende sprach ihn auf ebendiese an. Der Italiener hatte den jungen Mann, der etwas, jedoch nicht viel älter als er selbst war, schon als dieser eingestiegen war, auf das Genauste gemustert und analysiert, wie er es eben immer tat, wie es seine feste Gewohnheit war. Der Fremde fragte ihn, ob er das Gespräch, das Gebrülle ebenfalls mitangehört habe. Der Italiener bejahte dies und fügte hinzu, dass das Gebrülle ja unter keinen Umständen zu überhören gewesen sei. Lächelnd und nickend stimmte der Fremde dem Mailänder zu. Er machte einen sympathischen Eindruck auf Salvatore, er hatte dementsprechend auch nichts gegen das Gespräch, das sich in Folge dieser Interaktion zwischen den beiden zweifellos entwickeln würde, einzuwenden. Der Gegenübersitzende war sehr direkt, was den Italiener gewissermaßen überraschte. Ohne nach dessen Namen oder Herkunft zu fragen, fing er an auf die Brüllenden, wie der Fremde sie aber nicht bezeichnete, er sprach stattdessen von Gesprächsfaschisten, einzugehen. Er nannte sie ein Paradebeispiel, der verblödeten, hasserfüllten österreichischen Gesellschaft, die dieses im Grunde genommen so schöne Land, zum hässlichsten, abstossendsten mache. Alles Fremde wird vom Österreicher verurteilt und gehasst, so der ihm Gegenübersitzende. Der Italiener konnte das Gesprochene nicht nachvollziehen, so hatte Österreich ja eine gewisse Verantwortung dem Fremden, vor allen den Juden gegenüber, berücksichtigt man die Historie des österreichischen Staates. Der Fremde bejahte dies, sagte aber dem Österreicher bekomme diese Verantwortung nicht gut, im Gegenteil, der Österreicher hasse und wehre sich gegen besagte Verantwortung, wie der Österreicher überhaupt jede Verantwortung hasse und sich gegen jede Art von Verantwortung wehre. Er solle sich vorstellen, sagte der Fremde, dass es in Österreich gar eine politische Partei gebe, die sich auf den Kampf gegen diese Verantwortung spezialisiert habe, diesen Kampf quasi zur politischen Hauptaufgabe gemacht habe. Der Mailänder warf dem Fremden ein maßloses Übertreiben seinerseits vor. Der ihm Gegenübersitzende wurde dem zur Folge lauter, bezog sich auf die Gesprächsfaschisten und behauptete, dass jene dieser Partei offensichtlich zum Opfer gefallen wären. Doch nicht etwa nur diese zwei, etwa die Hälfte der österreichischen Bevölkerung wären vom verheerenden Hass dieser Partei angesteckt. Er solle sich vorstellen, sagte der Fremde, dass diese Partei von waschechten Nationalsozialisten geleitet werde, von Personen, die wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung und öffentlichen antisemitischen Anfeindungen verurteilt worden wären. Salvatore könne dies, so er, jeder Zeit nachprüfen. Unter dem Deckmantel der sogenannten Blauen, trete diese Partei in Wirklichkeit das Erbe der Braunen an. Zwar glaube er nicht, dass das allen Parteimitgliedern und Anhängern bewusst wäre, er hätte jedoch keine Zweifel daran, dass die führenden Organe der sogenannten braunen Gesinnung wären. Der Fremde fuhr die ganze Fahrt bis nach Wien mit diesen vehementen Anfeindungen gegen die besagte politische Partei fort.

 

Der Italiener hielt dessen Aussagen zwar stets für vollkommen übertrieben, doch bemerkte er im Laufe der Fahrt immer mehr der Brüllenden, was ihm zwischenzeitlich sogar etwas Angst einjagte. Der Fremde hatte seine Gedanken mit seinen Aussagen derartig in Anspruch genommen, dass er die ersten Momente seines Österreichaufenthaltes kaum genießen konnte. Er wünschte sich gar, dass das Gespräch nicht stattgefunden hätte. Er wusste zwar für sich selbst, dass die österreichische Bevölkerung keineswegs so sein könne, wie der Fremde sie beschrieb, behielt die Schilderungen jedoch im Hinterkopf. Auf dem Weg zu dem Hotel, das die Eltern für ihn ausgesucht und gebucht hatten, verspürte er etwas, das er seit seiner frühen Kindheit nie wieder verspürt hatte: Heimweh.

Antonin Schmidt

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